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Malakademie für alte Techniken
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Maltechnische Versuche mit Leinöl und Bleiweiß für altmeisterliche Maltechnik Mit den maltechnischen Anweisungen, die in der beschreibenden Fachliteratur enthalten sind, gab ich mich nie zufrieden. Ein wichtiges Kapitel im Bereich Maltechnik (Ölmalerei der alten Meister) sind Bindemittel und ganz besonders Weißpigmente - vor allem das Bleiweiß. Leider sind nicht allzuviele Rezepte und dazugehörige Malweisen überliefert worden. Oder weiß irgend ein Mallehrer, in welchen Techniken Rembrandt seine Bilder - im Laufe seines Lebens sogar in unterschiedlichster Art und Weise - erstellt hat? In dieser Hinsicht habe ich meine persönlichen Untersuchungs- und Anwendungsergebnisse im Bereich Ölmalerei - für Unter- und Übermalung getrennt - nach und nach entwickelt und gefunden. Allerdings ist hier zuzugeben, daß es genaugenommen "Eine alte Maltechnik" nicht gibt. Dafür haben die alten Meister jeweils zu unterschiedliche Intentionen gehabt und maltechnisch gesehen fortwährend Entwicklungen durchgemacht. Hier meine Vorstellungen und Beschreibungen 1. Untermalung Meine Forderung für die Untermalung ("Weißhöhung" nach Doerner) war, auf die spröde Tempera als Bindemittel ein für allemal zu verzichten und stattdessen Harzleinöl (hier: Eingedicktes Leinöl mit den mittlerweile bewährten Alkydharzen) zu verwenden, das bei geeigneter Anwendung leicht zu handhaben ist und sehr schnell trocknet, so daß sogar ein Blockunterricht von einem Tag zum anderen möglich wird. 2. Übermalung Für die Übermalung ließ sich das vorstehend beschriebene Harzleinöl nicht einfach übernehmen. Es gab zuviele Hindernisse. Beipielsweise war die geringe Konsistenz (Festigkeit, Pastosität, sichtbare Pinselspur, Textur) ein Handicap, denn pastose Malerei war mit diesem Harzleinöl nicht ohne weiteres möglich. Mit eingedicktem Leinöl und Harzen pastos malen ist auf den ersten Blick naheliegend, aber nicht der richtige Weg. Sogar der "Altmeister der Maltechniker", Max Doerner, hat sich oft genug geirrt und Fehlurteile abgegeben. Schon in "Malmaterial und seine Verwendung im Bilde", 6. Auflage 1938, Seite 310, schrieb Doerner sehr frei zur Maltechnik Rembrandts: " ... Nur mit selbstgeriebenen, frisch für diesen Zweck hergestellten und sofort vermalten Harzfarben sind solche Wirkungen zu erreichen. Man kann in den Bildern seiner Spätzeit sehen, wie er das rasche Anziehen dieser dicken Firnisse zur Textur des Bildes ausnützte durch lockeres Darüberreißen der Farbe. Man kann die Farbe mit etwas Öl steif vorreiben und dann mit Harzmalmittel vermischen oder in Terpentinöl vorreiben, etwas anziehen lassen und sie dann mit eingedicktem Öl und Harzfirnissen oder Venetianer Terpentin vermengen. Möglichst viel Farbstoff hineinzubringen, darauf kommt es an! ... " Somit war bedauerlicherweise ein Weg vorbereitet, jahrzehntelang anzunehmen, eingedickte Leinöle und Harze seien der historische Weg gewesen (und alleine geeignet), bestimmte Wirkungen alter Meister zu erzielen. Auch ich bin viele Jahre lang diesem Denkmodell gefolgt. Die Macht der sogenannten "Autoritäten" ist insofern außerordentlich hoch und unglaublich langzweitwirksam. Seit noch nicht einmal so langer Zeit wissen wir jedoch, daß Rembrandt nicht mit Harzen gearbeitet hat. Also war es für mich notwendig, zumindest für den Bereich der Übermalung nach anderen Rezepten zu suchen. Demzufolge habe ich ab 2000 den "umgekehrten Weg" gesucht, mit dünnflüssigem (frisch gepreßtem) statt eingedicktem Leinöl (ohne Harze!), jedoch mit Bleiweiß anstelle des modernen Titanweisses, bestimmte stoffliche (pastose) Wirkungen (Textur) zu erzielen. Diese Überlegung brachte nach maltechnischen Versuchen Erfolg, war jedoch für meinen Ausbildungsbetrieb im Blockunterricht leider nicht brauchbar. Also habe ich diesen Weg nur für mich als Maler, der immer genügend Zeit mitbringt, ausgearbeitet. Die sogeannten Trocknungszeiten frischen ("flüssigen") Leinöls liegen bei 6 bis 21 Tagen. Käufliche nicht eingedickte Leinölsorten wiesen in fast allen Fällen Mängel auf, wenn Farbpigmente - hier insbesondere Bleiweiß - angerieben werden sollten. Solche Mängel traten auf: 1. Nach Anreiben auf der Glasplatte zog die Farbpaste Fäden, ein Malen war entweder nicht möglich oder sehr erschwert. Die Paste stand auch nicht "butterig" bzw. "kurz". 2. Im Verlauf des Anreibevorgangs war eine sehr geringe zusätzliche Prise Pigment bereits dafür verantwortlich, daß die angeriebene Farbpaste auf einen Schlag vom Zustand des fast brauchbaren pastosen Zustands in den unbrauchbaren Zustand der Trockenheit fiel. Umgekehrt konnte eine Prise Leinöl einer etwas zu trockenen Paste für unangenehme Verflüssigung sorgen. Diese Mangelerscheinung habe ich mit "Anreibetoleranz" bezeichnet. Nur eine einzige käufliche Leinölsorte hatte ideale Anreibetoleranz. Später fand ich heraus, daß die Freiheit von Unkrautsamen in der zu pressenden Leinsamenmischung wesentlich für eine günstige Anreibetoleranz ist. 3. Die Farbe war nicht leicht vermalbar, sondern mußte mit zuviel Malmittel verdünnt werden. Nur eine einzige käufliche Leinölsorte wies keine Mängel auf, aber gleich drei waren unbrauchbar. Folglich lautet meine Erfahrung: "Wer sich nicht auskennt und auf die 'falsche' Leinölsorte setzt, bringt sich mangels wirksamer Maltechnik um den malerischen Erfolg!" Zu meinen Versuchen: Beispielsweise habe ich Bleiweiß mit unterschiedlichsten Leinölsorten angerieben und das allgemeine Vermalverhalten getestet.
Diese Leinölsorten habe ich ausprobiert: Talens, Purified Linseed Oil gereinigtes
Leinöl
Dieses Leinöl war dünnflüssig, also ideal, gelb (gelbe Farbe verlor sich langsam im Licht), wurde gereinigt (filtriert) und entschleimt (Bariumsulfat) und dann in Proben mit Bleiweiß vermalt. Diese Proben werden weiterhin fortgeführt und sind bis jetzt sehr ermutigend. Bedauerlicherweise ist diese Leinölgewinnung mit einigen Umständen sprich Zeitaufwand verbunden, unter anderem mit Konstruktion und Bau einer kleinen Presse; mit "Kornverlesen", denn aus den Leinsamen (gute Sorten aus dem Reformhaus) müssen immer noch nicht gerade unbedeutende Mengen Unkrautsamen herausgelesen werden; Unkrautsamen und andere Beimengungen stören die Leinölqualität merklich! Auch die Art des Leinsamens (braun, goldgelb und goldgelb aus Bioanbau) entscheidet wesentlich über die erzielbare Qualität des fertigen Leinöls. Über den Fortgang meiner Versuche werde ich an dieser Stelle von Zeit zu Zeit berichten. Tag der letzten Änderung: 08.01.07 |