Was ist alte Maltechnik? Was
wird gelehrt?
Erster
Hinweis: Über einige Versuche des Verfassers
mit Leinölsorten und Bleiweiß im Rahmen einer laufenden
Untersuchung altmeisterlicher Malweisen ist hier ein
Beitrag zu näheren Erläuterung maltechnischer
Besonderheiten alter Meister zu finden
Zweiter Hinweis: Zusätzliche
Hinweise sind in dieser weiterführenden Literatur
enthalten:
Link zum
Malerbuch/malerbuch.htm"
»Malen lehren«
heißt im allgemeinen, unvoreingenommene Menschen mit
einer außergewöhnlichen und faszinierenden Tätigkeit
bekanntzumachen. Die hier vorgestellte private
»Malschule für alte Techniken« ist überdies als
Lehrinstitut eine Seltenheit, denn das Malen in
altmeisterlichen Techniken wird kaum noch gelehrt. Was
sind das für Techniken? Sind sie in irgendeiner Weise
von besonderem Vorteil?
Ausgangspunkt meiner pädagogischen Überlegungen war die
Erkenntnis, daß auf jeden Anfänger im Bereich der
Malerei außerordentlich viele Schwierigkeiten
einstürmen, wenn er - gezwungen durch die vorherrschende
»Prima-Malweise« - damit beginnen muß, Form und Farbe in
einem Arbeitsgang gleichzeitig auf die Malfläche zu
bringen. Das ist für Anfänger erfahrungsgemäß viel zu
problematisch. Weil diese Primamalerei demnach für den
Anfangsunterricht kaum geeignet ist, habe ich mich
rückbesonnen auf die äußerst bequeme Arbeitsteilung,
die in der altmeisterlichen Malweise gegründet ist.
Hierbei wird
zuerst lediglich - im Rahmen der naturalistischen
Malweise - die Form ausgemalt. Monochrom! Auch für
Anfänger mormalerweise kein unüberwindliches Problem.
Über die monochrome Form werden erst nach Durchtrocknen
dieser »Untermalung« die notwendigen Farben gelegt.
Schicht für Schicht.
Prof. Kurt
Wehlte, Verfasser des Buchs "Werkstoffe und
Techniken der Malerei" (1990, Otto Maier Verlag,
Ravensburg), vermerkte auf Seite 528 wörtlich:
"Der
Verfasser sieht nur einen pädagogoschen Fehler darin,
daß fast überall gerade mit der Primamalerei, also mit
derjenigen Technik begonnen wird, welche künstlerisch
die größten Schwieigkeiten bereitet und infolgedessen
schon eine ziemlich große Sicherheit im gleichzeitigen
Gestalten von Form und Farbe verlangt."
Aber nicht
nur Anfängern bietet die altmeisterliche Malweise
Vorteile. Dazu sei allgemein angemerkt:
Vor etwa 500 Jahren begannen die alten Meister im
wesentlichen nach Rezepten, von denen prinzipiell gesagt
wird, daß sie von den Gebrüdern Van Eyck stammen, mit
bereits bekannten oder neu hinzugekommenen Farbpigmenten
in Pulverform, Knochenleim, Gips, Eigelb und Eiweiß,
Kasein, an der Sonne eingedicktem Leinöl, Mastix- und
Dammarfirnis sowie Venetianer Terpentin zu malen. Die
urtümlichen Malrezepte und ihre zugehörigen
Maltechniken und -weisen sind im vergangenen Jahrhundert
wiederentdeckt und in der Fachliteratur (Prof. Doerner
und Prof. Wehlte) weitgehend beschrieben worden; der
Vorgang ihrer Erforschung und Beschreibung ist noch nicht
abgeschlossen. Sie wurden in dieser Malschule
aufgegriffen und nützen Anfängern und
Fortgeschrittenen. Was bedeutet dies im einzelnen?
Altmeisterliche Malweise beginnt mit der Anlage des
gesamten Bildes (»Formgebung«) in nur einer Grundfarbe.
Vorteil: SchülerInnen brauchen sich, wenn sie ein Bild
beginnen, vorerst überhaupt nicht um die weitere
Farbgebung zu kümmern. Erst, wenn das Bild in seiner
Grundfarbe vollständig und in allen Einzelheiten
aufgebaut ist, werden die dazu »passenden« weiteren
Farben ausgesucht und - genau wie vor 500 Jahren - in
einzelnen Schichten darüber gelegt (lasiert). Das lernt
man in dieser Malschule. Dem Fortgeschrittenen eröffnen
sich durch die Schichtenmalerei völlig neue
Gestaltungsmöglichkeiten und Erlebniswelten.
Wer folglich
eine bestimmte Grüntönung erzielen möchte, mischt
nicht mehr Blau und Gelb auf der Palette zusammen,
sondern legt zuerst gelb auf die Malfläche und nach
Trocknung dieser Schicht leicht Blau darüber; folglich
bildet sich das angestrebte Grün im Auge des Betrachters
aufgrund zweier durchscheinender Farbschichten. Das
Ergebnis Grün wird interessant und rätselhaft. Es ist
nicht durch direktes Farbmischen von der Palette
nachahmbar.
Hier stellt der
Verfasser gerade die monochrome Untermalung
(»Weißhöhung« nach Doerner) für ein Portrait her

Die Weißhöhung wurde
festiggestellt

Die Farbgebung hat
begonnen; zu sehen sind die groben Übermalungsanfänge,
die bereits erahnen lassen, in welcher Weise
das Bild weiterhin ausgearbeitet werden soll
Das Bild ist vollendet.
Untermalung und Übermalung sind durchgeführt worden.
(Bearbeitungsstand: 01.02.2002)
Besonders
angenehm fällt auf, daß jene angesprochene
»Grundfarbe«, die anläßlich der monochromen
Formgebung aufgetragen wird, dem Bild nach seiner
Fertigstellung einen farblich sehr geschlossenen Ausdruck
verleiht. Keine Einzelfarbe platzt mehr heraus, denn die
monochrome Grundfarbe verbindet in Harmonie alle anderen
Farben, weil sie mehr oder weniger aus dem Untergrund
durchscheint.
Übereinandergelegte Lasurfarben ermöglichen auch die
begehrten »Optischen Grauwerte« der alten Meister, die
sich von jenen Grauwerten, die auf der Palette direkt
vorgemischt werden, wohltuend unterscheiden.
Das Bild kann nicht mehr »schreiend bunt« werden, wie
bei dilettantischen Malversuchen und nicht ganz
professionellem Malunterricht so oft zu beobachten ist.
Altmeisterliche Bilder wirken angenehm farbig statt bunt,
weil alle Einzelfarben in die Grundfarbe gleichsam
eingetaucht sind. Van Eyck, Tizian, Rubens und Rembrandt
malten prinzipiell nicht anders.
Diese Malschule gibt in der Praxis altmeisterliches
Technikwissen (nach Doerner und Wehlte) weiter und ist
selbstverständlich bemüht, altmeisterliche Technik mit
moderner Bildkomposition zu verknüpfen; sogar die
moderne Malerei gewinnt durch die Anwendung dieser alten
Technik neue Ausdrucksmöglichkeiten, denn sie läßt
sich einwandfrei in die Gegenwart übertragen.
Anmerkungen zum Malen in der »PRIVATEN KLEINEN
MALAKADEMIE«
Im Jahr 1996 wurde zusätzlich eine PRIVATE KLEINE
MALAKADEMIE als neuer Fachbereich innerhalb der Malschule
eingerichtet. Sie ist rein privater Natur, demnach
offiziell nicht als Hochschule anerkannt und nicht
bafög-berechtigt. Der Studienbetrieb lief Oktober 1996
an und bietet nach dem Studienplan, der abgefordert
werden kann, ein spezielles Ergänzungsstudium für alte
Maltechnik an. Nach Abschluß der Studienzeit - die im
Normalfall drei Semester andauert - ist es möglich, daß
die Studierenden ein freiwilliges Examen ablegen. Das
Examen schließt eine Klausur und zwei selbständig
anzufertigende Bilder (Portrait und Landschaft) als
Diplomarbeiten ein. Das Bestehen des Examens wird durch
ein Zertifikat bescheinigt. Begabte BewerberInnen werden
voraussichtlich nach der genannten Studiendauer von drei
Semestern in der Lage sein, ihr Studium erfolgreich
abzuschließen.
Anmerkungen zum Können der BewerberInnen für
»MALSCHULE« und »PRIVATE KLEINE MALAKADEMIE«
BewerberInnen für eine Ausbildung in der MALSCHULE
können Anfänger oder Fortgeschrittene sein und sollten
ausreichende malerische Begabung mitbringen, damit der
Unterricht zum Erfolg führt; die Begabung läßt sich
relativ leicht beurteilen, wenn BewerberInnen
Probearbeiten vorlegen.
BewerberInnen für das dreisemestrige Studium im
Fachbereich KLEINE MALAKADEMIE müssen jedoch unbedingt
gute Begabung im Malen mitbringen, damit die
theoretischen und praktischen Studien Aussicht auf Erfolg
haben.
Der Unterricht wird in dieser MALSCHULE sowie in der
KLEINEN MALAKADEMIE nur in effektiven Kleingruppen (bis
zu vier SchülerInnen) durchgeführt; diese Konzeption
wird beibehalten, weil ein verantwortbarer Lehrbetrieb
kein Massenbetrieb sein kann.
Anmerkungen zur Verwendung der Fotografie im
Malunterricht der »MALSCHULE« und »PRIVATEN KLEINEN
MALAKADEMIE«
Wer altmeisterlich (und zugleich naturalistisch) malt,
ist darauf angewiesen, daß sich sein Sujet (Portrait,
Landschaft, Stilleben) während einer gegebenenfalls
Wochen andauernden Malphase nicht wesentlich verändert;
nicht verändert hinsichtlich Helligkeit, Lage,
Beleuchtung und Farbwirkung. Die alten Meister arbeiteten
deshalb mit entsprechenden Hilfsmitteln, deren
Unzulänglichkeiten hinreichend bekannt sind:
Skiz-zenblock, Gitterrahmen, Peileinrichtungen,
Perspektivrahmen, Camera Obscura, Storchschnabel
(Pantograph). Heutzutage sind Farbfotografie und
Projektion endlich überlegene Hilfsmittel geworden und
anerkannt.
Wer beispielsweise eine Landschaft im sich schnell
verändernden Morgennebel erlebt, die bei aufgehender
Sonne höchstens einige Minuten im Silberlicht liegt,
wird dankbar seine Kamera als wertvolles optisches
Notizbuch gebrauchen und sie nicht mehr missen mögen.
Prof. Doerner, Altmeister der wiedergefundenen
altmeisterlichen Maltechniken, bemerkte zutreffend: »Die
Fotografie vermag dem Maler wichtige Dienste zu leisten,
ebenso die Projektion, so besonders dem Portraitmaler. Es
ist lächerlich, wenn man da oft genug sagen hört, da
sei ja nichts dahinter, Lenbach habe ja alles
fotografiert. Es hat ihm noch keiner besser nachgemacht.
... Im Gegensatz zur Liebhaberfotografie erfordert die
Verwendung für die Kunst ein außerordentliches
fotografisches Können.«
Dieses
fotografische Können wird hier auf Wunsch vermittelt.
Ich kann auf umfangreiche photographische Erfahrungen (in
vielen Ausstellungen dokumentiert) zurückgreifen:
Mönchen-Gladbach 1957 Internationale Photoausstellung,
Silbermedaille
Köln 1958 Photokina »Wettbewerb Jugend
photographiert«, Photokina-Urkunde
Tokio 1958 »The International Photographic Salon Of
Japan«, goldene Auszeichnung
Offenburg 1958 Burda-Verlag, Sonderpreis Photowettbewerb,
sowie weitere Ausstellungen:
Cineclub Biella 1956;
Beogradski Objektiv 1958;
Dieppois 1959 Photo-Ciné-Club;
Essen 1959 Folkwang-Museum;
Calais 1959 Photo-Club;
Dieppe 1959 Salon International dArt Photographique
Hennef, im
November 2000
Lienhard
Pallast
mail@malschule-pallast.com
Stand der Bearbeitung: 08.01.07
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